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Dieses Thema hat 31 Antworten
und wurde 2.242 mal aufgerufen
 Death Magnetic (Closed)
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King_Nothing Offline

Lateral Fault Line


Beiträge: 8.088

13.09.2008 02:23
Death Magnetic Kritiken antworten

Das Album ist raus, und schon darf jeder seinen Senf abgeben. Ich mache den Anfang mit dem gesamten Text von der FAZ... ein widerwärtiges Geschwurbel mit Worten. Man denkt beim lesen dass dem Autor wahrscheinlich öfter ein paar Orgasmen beim Schreiben gekommen sind. Was für ein Dummlaberer. Keine schlechte Kritik an sich... aber dieses pseudo-intellektuelle Gelaber ist nicht auszuhalten. Lest es BITTE selber und schüttelt den Kopf oder lacht mehrmals laut auf:

Vier Väter im Steinbruch ihrer Werke

Jedes bessere Musikerhirn kennt den Ärger: Das ewige Problem der Ohren sind die Hände. Denn was die können, wollen sie auch dauernd machen, bis aus Kunst schiere Manier wird. Der heikle Jahrhundertpianist Glenn Gould hat die kleinen und großen Sünden, die sich wegen der Freude am Effekt vor Publikum ins Spiel einschleichen, schließlich so gehasst, dass er gar keine Bühne mehr betreten wollte und fortan nur noch im Studio wirkte.

Bei Rockmusikern, die am Instrument komponieren statt auf Notenpapier, sickern in der Spielpraxis erworbene und eingeschliffene Unarten, aber auch Tricks und Mogeleien spätestens ab der dritten Platte ins fortlaufende Erfinden des Neuen ein, das daher bald nicht mehr besonders lebendig wirkt. Je weiter die Arbeit sich von der Improvisation entfernt, je angewiesener der jeweilige Stil aber andererseits darauf ist, gerade im Widerspiel von Genretreue und expressiven Ausbrechern seine Verwirklichung zu suchen, desto enger wird die Klemme, in die das Werk der Hände die armen Ohren zwingt.

Wichtigste Heavy-Metal-Band der Welt

Metallica, gegründet 1981, sind die derzeit wohl wichtigste (vielleicht nicht beste, sicher aber sowohl kommerziell erfolgreichste als auch stilgeschichtlich breitestwirksame) Heavy-Metal-Band der Welt und haben mit dem Eigensinn der Hände seit je intimen Umgang. Auf der Flucht vor der Gewöhnung ans Gekonnte verhedderten sie sich schließlich ab ungefähr 1988 in dermaßen verhakten Songstrukturen, dass Auftritte unter der Last der allzu ausgedachten Kleinsymphonien immer häufiger zusammenzubrechen drohten. Der Ausweg, den sie ab 1996, als die Platte „Load“ erschien, beherzt beschritten, hinterlässt in der Rückschau zwiespältige Empfindungen: lieber ein schlechtes Album machen als ein berechenbares. Es gibt gescheitere Ideen.

Hinter dem Rücken der Band, die heute aus vier zwar nicht gerade gesetzten, aber doch gestandenen Familienvätern besteht, ist das Frühwerk, dessen Schwerefeld sie eine Weile so dringend entkommen wollten, zur Klassik versteinert. Und diese Felswand, so war im Vorfeld zur neuen Veröffentlichung „Death Magnetic“ auf allerlei üblichen und unüblichen Wegen zu erfahren, wollten sie sich jetzt wieder aneignen, und zwar so, wie Hammerschwinger sich einen Steinbruch erobern.

Klingt wie alles Mögliche

„Death Magnetic“ klingt in den ersten anderthalb Minuten erst mal wie alles Mögliche - den dumpfen Herzschlag kennt man aus „Coma“ von Guns N' Roses, das tieftönende Einstiegsthema von Anthrax (“Among the Living“), sogar ein wenig Metallica ist dabei.

James Hetfield, Rhythmusgitarrist und Sänger, bellt sich bissig ein, die Nummer (“That Was Just Your Life“) hackt ganz achtbar vor sich hin. Ende der fünften Minute darf Leadgitarrist Kirk Hammett endlich wieder tun, was ihm in der kargen, verwachsenen, aber auch beeindruckenden Rost-und-Stacheldraht-Landschaft der Vorgängerplatte „St. Anger“ von 2003 noch streng verboten war: flattrige Arpeggien und puddingweiches Gedudel loslassen, dass es nur so pfeift. Na schön.

Was macht eigentlich der hochverdiente (Johnny Cash, Shakira, Slayer, Glenn Danzig usw.) Produzent Rick Rubin die ganze Zeit, den sich die vier diesmal geholt haben? Das zweite Stück, „The End of the Line“, folgt ohne Störung im Betriebsablauf und ist ebenfalls recht nett.

Es klappt wie lange nicht mehr

Zwischenfrage: Wo sind wir hier reingeraten? Seminarraum? Klassentreffen? Aber dann kommt „Broken, Beat & Scarred“, ein morgenländisches Militärmelodiechen legt seinen fliegenden Teppich vor uns hin, eiserne Flügeltüren öffnen sich, und es geht los: Vom Eise befreit, mit Starkstrom gefüttert und mit Maschinenöl geschmiert sind Metallica von diesem Moment an endlich ganz bei sich - dieses Stück und das fünfte, „All Nightmare Long“, gehören zum Dornigsten und baulich Gelungensten, was diese Leute überhaupt je erfunden haben, und der Rest ist ebenfalls mindestens hocherfreulich. „The dawn, the death / the fight to the final breath“: So kann man sich natürlich auch aus dem Treibsand befreien, indem man ihn einfach per Vulkangebrüll zu Glas heißschmilzt.

Die Gangart heißt hier nicht selten Galopp, da trampelt dann eine Herde amphetamingefütterter Bonanzapferdchen die Prärie zu Bruch, und der Erlkönig spuckt Scharlachverwehungen in den Sturm: „Cause we hunt you down without mercy / hunt you down all nightmare long“, und dazu Hetfields Handwerk am Brett, eine Rockversion dessen, was die Flamencofachleute rasgueado nennen, womit er aber vor allem seinen eigenen Gesang vorantreiben will, was diesmal klappt wie lange nicht mehr.

Gertrude Stein konnte nicht schreiben und Picasso keine Porträts malen

Als man seine Stimme Anfang bis Mitte der Achtziger die ersten paar Male zu hören kriegte, hieß es oft, der könne doch gar nicht singen. Das stimmte schon damals nur bedingt, etwa so, wie man sagen kann: Gertrude Stein konnte nicht schreiben, und Picasso konnte keine Porträts malen, weil er dachte, dass Leute ihre Augen auf der Backe tragen.

Heute hat Hetfields Rachendrachenraspelhusten längst Schule gemacht: So kreuzverschiedene und grundanständige Sänger wie der Amerikaner Matthew Heafy von Trivium und der Deutsche Matthias Zimmer von Perzonal War orientieren ihren Stil an je eigenen Interpretationen von Hetfields Schaffen und treiben dabei teilweise einen so großen Aufwand an Auslegungsanstrengung, dass man das Ergebnis genauso gut als Neuschöpfung eigenständiger Stimmfarben werten darf, allerdings eben im Rahmen einer offenbar mittlerweile stattgehabten Schulenbildung. Hetfields Lieblingsbuchstabe „o“ spielt eine wichtige Rolle dabei, als eine Art Rauchring aus blutigem Dampf, der mit wikingerhafter Inbrunst zu johlen ist: „Jooohoo“.

Die Pflichten der Songschöpfung teilt sich das Ungeheuer, das so lärmt, seit je vornehmlich mit Schlagzeuger Lars Ulrich. Dieser ist dabei zuständig für das gleichsam Objektive, Begriffliche, den gültigen Takt, das Meisterwerk (Ulrichs leicht suspekte Liebe zu auktionsbeglaubigter Wichtigkunst zwischen Rothko und Basquiat weist ihn als jemanden aus, für den Ruhm eine Sache des Investierens und Amortisierens ist). Heftield dagegen will vor allem die finsteren Bewegtheiten seiner Seele dokumentieren, schreckt dabei vor Pathos und Grellheit nicht zurück, musikalisiert innere Unruhe, mangelndes Urvertrauen und das Bedürfnis, der Menschheit gelegentlich eins in die Fresse zu hauen.

Musik mit Anspruch und Ausdruck

Die Dynamik, die aus dem Sichaneinanderreiben dieser beiden Songautorenstrategien entsteht, hat Musik geboren, die sich aufgrund der in ihr erreichten Vermählung von Anspruch (Ulrich) und Ausdruck (Hetfield) als autonome Klangwelt immer wieder auch aus dem Urheberkontext lösen ließ und die bizarrsten Lesarten überlebt hat, von der fernöstlich angehauchten Verwurstung durch das Buddha Lounge Ensemble (“For Whom the Bell Tolls“ wird bei denen zur Räucherstäbchenpraline, du fasst es nicht) über die kammermusikalische Aufbereitung durch Apocalyptica, das Computergestampfe der deutschen Industrierobotergruppe Die Krupps bis hin zur haarsträubenden Synthese aus Metallica- und Beatlessubstanz bei einer Spaßband namens Beatallica.

Wer auf dem „Metallic Attack“-Sampler von 2004 die Höhlenmenschen von Flotsam & Jetsam dabei belauscht hat, wie sie das wunderbare Werk „Damage Inc.“ zerstören, hält sogar für möglich, dass man, ein bisschen Talent und eine große Macke vorausgesetzt, aus klugem Heavy Metal unfassbar dummen Heavy Metal machen kann.

Härte bedeutet Konsequenz

Die meisten Imitatoren scheitern, wenn sie spielen sollen wie Metallica, an der rhythmischen Arbeit. Bei dem, was da verlangt ist, wird nämlich der jeweilige Takt nicht einfach banal wie bei jedem besseren Jahrmarktsrambazamba „gehalten“, sondern vielmehr im eisernen Schraubstock eines dem Ohr zu jedem Augenblick total transparenten Schlagregiments am stürmischen Auseinanderfahren gehindert - das Zeitmaß will eigentlich dauernd explodieren und anschließend, in seine Bestandteile zerlegt, im Zickzack übers große Schlachtfeld in sämtliche Hörraumhimmelsrichtungen davonrennen; einzig die Präzisionsverbohrtheit der Musiker hält es zurück und fest im Genick gepackt. Die Versuchung, sich im Gefühligen zu entspannen, ist bei diesem Treiben naturgemäß groß - auf „Death Magnetic“ steht dafür „The Unforgiven III“ ein.

Dessen präludierendes Klaviergeschlumpfe mitsamt Streichern, Zimt und Zucker hätte es nicht unbedingt gebraucht; aber eine Kavallerietrompete aus dem Western reißt es dann gleich wieder raus, und Hetfield klagt noch ein bisschen über die allgemeine Lieblosigkeit; er hat ja recht. Die erste Single, „The Day that Never Comes“, ist ähnlich zusammengerührt, am Ende dieser Quasiballade verlieren die Herrschaften dann aber die Geduld mit ihrer elegischen Gestimmtheit und stecken lieber noch ein paar kalkweiße Synkopenknochen ineinander, in deren Mikadogerüst Hammett seine bewährten Christbaumkugeln hängt, während Hetfields Riffing sich anhört, als er ob die Schneide seines Gitarrenkampfmessers mutwillig gegen die Drehrichtung des Schleifbands führte. Wie das wieder in den Backenzähnen weh tut, einfach wunderbar.

Bei der Gelegenheit: Was hat es eigentlich mit der vielberedeten „Härte“ dieser Musik auf sich? Hart im Sinne von „kaum auszuhalten“ ist ja eher die CD, auf der Meira Asher mit den Stimmen ehemaliger Kindersoldatinnen aus Sierra Leone arbeitet, die Selbsterlebtes von Mord bis Vergewaltigung erzählen; wer so etwas beim Joggen weghören kann, um den sollte man einen weiten Bogen machen. Im Heavy Metal dagegen bedeutet Härte einfach Konsequenz, Aufrichtigkeit, Schnörkelvermeidung und ähnliche Tugenden; als emotionale Kunstbasis aber vor allem so etwas wie „Wutlust“.

Ein Metalmusiker muss „von unten“ kommen

Der Nährboden dieser Art Härte ist natürlich ein sozialer: Wer es weiß, kann gar nicht überhören, dass die Musiker der besten Metal-Bands aus einer Position heraus ihre Platten aufnehmen und Konzerte geben, welche davon ausgeht, dass es für diese Menschen zum Musikmachen nur die Alternativen einer blöden und langweiligen Erwerbsarbeit beziehungsweise der Dienstverpflichtung in der Armee gegeben hätte.

Demgegenüber können Leute, bei denen es nicht ganz zum gefeierten Produzenten abwegiger Ambient Music reicht, immer noch Popjournalisten oder lacanistische Filmtheoretiker werden. Entsprechend klingt die aus der jeweiligen Lage abstrahierte Musik dann auch (Obacht, der soeben entfaltete klassenanalytische Ansatz ist vulgärmarxistisch und führt direkt zur Absetzung führender SPD-Kader). Ein Metalmusiker muss „von unten“ kommen oder so klingen können. Wenigstens einen Latino-Namen sollte er (leider immer noch fast nie: sie) mitbringen.

Der Neue bereitet Vergnügen

Das größte Vergnügen bereitet auf „Death Magnetic“ dementsprechend der Neue: Robert Trujillo am Bass, seit 2003 dabei, erzeugt seine tiefen Töne, wie der Maulwurf in der Baugrube buddelt, und legt sie dann so intarsienliebevoll in die Akkordfolgen von Hetfields Hackbratenschlacke, dass die beiderseitige Unzertrennlichkeit des Resultats den neuen musikwissenschaftlichen Begriff „siamesisches Zwillingsdröhnen“ verlangt (früher sagte man „Powerchord“).

Nachdem mit „Suicide & Redemption“ auch noch ein ausführliches Instrumentalstück serviert wurde, das sogar ruhig hätte länger sein dürfen, entbietet die Band zum Schluss an alle Metzger, Brandstifter, Kinderfresser und Steinläuse einen kleinen Liebesgruß, „My Apocalypse“, auf dem die Formel ausgekotzt wird, die dem Album den Titel spendiert:

„Deadly vision / prophecy reveal / death magnetic“. Knirsch, batsch, aus. Aufatmen im Universum. Es hat geklappt: Das Hirn ist magnetisiert, die Hände waren fleißig, die Ohren summen vor wütendem Glück.


take this silver lining /
keep it in your own sweet head /
shine it when the night is burning red


King Nothing

note: r.i.p. martin wilke!

SirBender Offline

The Dumb


Beiträge: 29

13.09.2008 09:36
#2 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

hier, einen artikel aus dem kulturressort der SZ:

Der Tod steht ihnen gut

Kompromissloses Gedresche und sonisches Trommelfeuer: Auf ihrem neuen Album "Death Magnetic" spielen Metallica wieder die knochenharte Musik ihrer frühen Tage.
Von Paul-Philipp Hanske

Sie machen Musik nur, wenn sie laut ist: James Hetfield an der Gitarre und Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich bei einem Konzert in Los Angeles.


Popkulturell betrachtet leben wir in seltsamen Zeiten. Einerseits kann man sich mit gutem Recht darüber beklagen, dass das, was als "Mainstream" gilt, also das, was die Major-Labels mit sehr viel Geld und einer ungeheuren PR-Maschinerie auf den Markt und in unser Bewusstsein drücken, zum Großteil eine musikalische Schwundstufe von Pop ist.

Man kann empirisch die Diktatur gewisser Produktionsstandards nachweisen, welche die unterschiedlichsten Pop-Erzeugnisse allesamt zugleich glatt und wuchtig (in der Sprache des Feldes: "fett") klingen lassen. Dann aber gibt es, andererseits, diese seltsamen Ausreißer. Etwa "Death Magnetic"(Mercury/Universal, 2008), das neue Album der kalifornischen Heavy-Metal-Band Metallica.

Zweifelsohne ist dessen Veröffentlichung - neben Madonnas Album "Hard Candy" und Coldplays neuer Platte "Viva La Vida" - eines der großen Ereignisse der kommerziell bedeutsamen Popmusik in diesem Jahr. Es müsste mit dem Teufel zugehen, würde "Death Magnetic" nicht auf dem ersten Platz der Album-Charts landen. Seit 1991 gelang das der Band schließlich noch mit jedem neuen Album. Auch "Death Magnetic" wird millionenfach seine Käufer finden.

Die Frage ist freilich, was diese Millionen mit der Platte dann eigentlich machen. Denn bis auf wenige Ausnahmen ist die Musik darauf ein absolut kompromissloses Gedresche, ein sonisches Trommelfeuer. Entsprechend euphorisch reagierten im Vorfeld bereits alle Fachzeitschriften der Heavy-Metal-Gemeinde. Endlich, so war zu lesen, sei Metallica wieder Metallica. Die Jahre der Anbiederung an den Mainstream seien vorbei. Das Problem ist nur: Was der Mainstream sich einmal einverleibt hat, das lässt er nicht so einfach wieder ziehen.



Bildstrecke "Tod allen Feinden des Heavy Metal!"






Metallica ist fraglos die wichtigste aller Heavy-Metal-Bands. Es ist die Gruppe, die dem Genre seine Identität verlieh. Angefangen hat sie als Punk-Band im Genre Metal. Das war insofern erstaunlich, als Metal zu Beginn der achtziger Jahre eine Abgrenzung zum Protestmodell Punk war. Die Autoaggressivität von Punk - die auch die gesellschaftspolitische Relevanz dieser Musik verbürgte - wurde von Metal in unreflektierte, maskuline Aggression übersetzt.

Dazu gesellte sich oft - in Abgrenzung zur ausgesprochenen Diesseitigkeit von Punk - eine Sehnsucht nach dem Übernatürlichen, die sich teils in märchenhaften Fantasmen, teils in düsterem Okkultismus austobte. Metallica hingegen bezog sich von Anfang an auf Punk, indem die Gruppe etwa Songs der Punkband The Misfits nachspielte. Fantasy und Okkultismus - die Gründe dafür, wieso Metal so oft als eskapistisches "Kasperltheater" erscheint - war für die Band auch nie ein Thema. Sänger James Hetfield sang stattdessen auf existenzialistische Weise über Themen wie Krieg, Tod und tyrannische Väter. Auf der einen Seite war Metallica also immer so etwas wie "die gute" Band im Feld Metal.

Maskuline Aggression

Zugleich aber erfand Metallica den sogenannten Thrash-Metal, jene brutale Spielart, die durch maschinengewehrschnelle, zugleich aber wie mit dem Skalpell geschnittene Gitarren-Riffs gekennzeichnet ist. Kein Metal-Fan konnte an der Legitimität dieser Band zweifeln.


Das änderte sich radikal mit dem 1991 erschienen Album "Metallica". Erstmals verpflichtete die Band einen prominenten Produzenten, Bob Rock, der auch Chart-Hard-Rockern wie Bon Jovi ihren glattgebürsteten Sound verpasste. Balladen wie "The Unforgiven" rotierten auf MTV und Metallica tummelte sich zunehmend auf bedeutungslosen Tribute -Konzerten. Alle folgenden Alben verkauften sich millionenfach - und überschritten stilistisch Metal bei weitem.

Aber ganz gleich ob sich die Band dem Bluesrock öffnete, ob sie ihre größten Hits mit einem Sinfonie-Orchester einspielte (was im Pop immer einer Bankrotteerklärung gleichkommt) oder - auf ihrem letzten Album "St. Anger" - bewusst roh und kaputt klang: immer hatte man das Gefühl, Metallica suche und finde sich nicht. Die Band tat sich nicht mehr durch ihre extreme Musik hervor - sondern sorgte vor allem für Aufsehen, weil sie den Don Quichotte im Kampf gegen die Musikpiraterie im Internet gab.

Völlig offenbar wurde die Sackgasse, in der die Band steckte, durch den Film "Some Kind of Monster" von Joe Berlinger und Bruce Sinofsky aus dem Jahr 2004. Er zeigt Metallica kurz vor der Auflösung. Sänger James Hetfield ist auf Dauer-Alkoholentzug, der Rest der Truppe klagt über Burnout und kommuniziert nur noch über den Gruppentherapeuten.

Für "Death Magnetic" wurde jetzt die Notbremse gezogen. Die Band verpflichtete Rick Rubin, der heute Co-Chef von Columbia ist, vor allem aber als der wichtigste Popmusik-Produzent der letzten 20 Jahre bekannt ist. Rubin, der sich gerne als vollbärtiger Sound-Guru inszeniert, war unter anderem verantwortlich für das fulminante Comeback des alten Johnny Cash - als Produzent der satanistischen Fleischhauer von Slayer wird er aber auch als Urvater des Heavy Metal angesehen.

Was Rubin nun auf "Death Magnetic" mit Metallica gemacht hat - eine Zeitreise in die musikalische Vergangenheit - ist ein beliebtes Mittel des Pop, wenn er nicht mehr sieht, wie es nach vorne weitergehen könnte. Die enthusiastischen Reaktionen auf "Death Magnetic" - die Feier der wiedererlangten Authentizität von Metallica - zeigen aber auch die Überzeugungskraft dieser Strategie.

Zwei Zugeständnisse an den Massengeschmack und das Format-Radio finden sich auf "Death Magnetic": die Balladen "A Day that never comes" und "The Unforgiven III". Hier darf dann auch schon einmal ein Klavier unter James Hetfields Heldenbariton klagen. Aber die beiden Lieder wirken seltsam deplaziert. Der Rest der zehn Songs nämlich ist knochenharter, hochkomplexer Metal: Auf Intros folgen diverse Ramps, polyrhythmische Intermezzi, Strophen, Refrains und kreischende Outros. Und untendrunter wummert das Doublebass-Bombardement des Schlagzeugers Lars Ulrich.

Metallica erweist sich wieder einmal als perfekt tickende Rhythmus-Maschine: Wie Nähmaschinen rattern die Gitarren Zweiunddreißigstel-Noten herunter und jaulen synchron in den Soli auf. Messerscharfe Breaks unterstreichen nur die Brutalität dieses Sounds. Mathe-Metal ist ein böser Ausdruck für diese Art exakt berechneter Musik. Das Erstaunliche aber ist, dass Metallica es trotzdem schaffen, diesen präzisen Höllenmaschinen von Songs Leben einzuhauchen.

Die Band klingt also wie zu ihren besten Thrash-Metal-Zeiten in den späten achtziger Jahren, "Death Magnetic" könnte das Anschlussalbum an "...and Justice For All" aus dem Jahr 1988 sein. Was in der Zwischenzeit geschah? Schwamm drüber. Aber der entscheidende Punkt ist: Metallica klingt wie eine Thrash-Metal-Band, ist aber der Mainstream-Top-Act Metallica.

Das zeigt sich schon in der kleinlichen Publikationspolitik. Warner ging mit dem unveröffentlichten Album um wie ein Arzneimittelkonzern mit einem neu erfunden Wundermittel gegen Krebs. Obwohl es schließlich wie erwartet doch deutlich vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin illegale Downloads im Netz gab, bekamen Journalisten vorab keine Rezensionsexemplare. Aber auch wenn man diese Paranoia beiseite lässt: Die wilde Dresch-Combo ist Metallica eben doch nicht mehr.

Wüste Heftigkeit

Wollen Teenager heute ihre Aggressionen musikalisch ausleben, dann sind sie Fans von Gangster-Rap oder der Splatter-Metal-Band Slipknot. Hört man Metallica, dann bedeutet das - eben weil die Band dem Genre entfremdet ist - nichts mehr, dann kommuniziert man damit keinen Protest, keine heroische Wut mehr. Man hört nur eine perfekt musizierende Band.

So kann der wüsteste Thrash-Metal Mainstream-Rock werden - und der Hörer sich einfach an der konsequenten Heftigkeit der Musik erfreuen. Es spricht ja auch nichts dagegen, dass etwa überarbeitete Manager Metallica als perfekten Workout-Sound im Fitness-Studio hören. Wenn in die Massenware des Pop auf diese Weise hoch komplexe und doch lebendige Song-Ungetüme eingeschleust werden, dann ist das sogar ein erfreuliches Ereignis.
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ich weiß nicht warum, aber der sülzt einen dünnschiß daher...da wird einem echt ganz komisch. und dann noch metallica als erfinder des thrashes zu bezeichnen und dass sie aus dem punk kommen? okey, einflüße waren da.
ganz komisch....

hauptsache das album ist nice :)


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Ihr sacht "Tach" und ich sach "Auf Wiedersehen"!

puppetmaster Offline

5th Horseman


Beiträge: 2.790

14.09.2008 16:33
#3 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

In Antwort auf:
Zwischenfrage: Wo sind wir hier reingeraten? Seminarraum? Klassentreffen? Aber dann kommt „Broken, Beat & Scarred“, ein morgenländisches Militärmelodiechen legt seinen fliegenden Teppich vor uns hin, eiserne Flügeltüren öffnen sich, und es geht los: Vom Eise befreit, mit Starkstrom gefüttert und mit Maschinenöl geschmiert sind Metallica von diesem Moment an endlich ganz bei sich - dieses Stück und das fünfte, „All Nightmare Long“, gehören zum Dornigsten und baulich Gelungensten, was diese Leute überhaupt je erfunden haben, und der Rest ist ebenfalls mindestens hocherfreulich. „The dawn, the death / the fight to the final breath“: So kann man sich natürlich auch aus dem Treibsand befreien, indem man ihn einfach per Vulkangebrüll zu Glas heißschmilzt.


Wer kommt bitte auf so einen Mist, wenn man eine Metal-CD hört?
Das ist anscheinend das Traurige, wenn es um Metallica geht. Die gesamte Presse stürzt sich in ihren Kulturteil drauf und versucht ein solche CD intellektuell zu verstehen oder was weiß ich was...einfach nur quälend so etwas zu lesen, da kann das Ergebnis auch am Ende 1000 Mal gut sein...

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metOLLIca Offline

Heavy Metallifux

Beiträge: 1.489

14.09.2008 16:37
#4 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Was ein unglaublicher Müll... dann lieber die Klappe halten. In beiden Fällen.

- - - -
metOLLIca - formerly known as "the creeping death"

Metfan86 Offline

Tender Surrender


Beiträge: 8.150

16.09.2008 12:20
#5 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Hier noch eine kleine Spiegel-"Kritik".

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,578397,00.html


Wer Trash anstatt Thrash schreibt, sollte mal lieber gleich ganz die Fresse halten.





"Thank you for your honesty...now fuck off and die!"



puppetmaster Offline

5th Horseman


Beiträge: 2.790

16.09.2008 13:01
#6 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Aber wirklich, absolut nichtssagend...

MACHINE FUCKING HEAD
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23.04. Der W

mig Offline

Veritas † Aequitas


Beiträge: 6.208

16.09.2008 13:47
#7 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Das ist doch eine anständige Plattenkritik, die sich in Anbetracht der begrenzten Textlänge, auch in der (für Spiegel-Leser) nötigen Tiefe mit dem Album auseinandersetzt.
TUIII würde ich zwar nicht "überflüssig" nennen, aber das zeigt doch, dass der Text von einem Freund der flotteren Gitarrenklänge stammt

macspoiler1975 Offline

The Dumb

Beiträge: 29

22.09.2008 09:55
#8 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Gibt es hier im Forum eigentlich auch noch Leute die wie ich The Unforgiven III für genial halten???

Der steht für mich auf einer Stufe mit dem ersten Teil.Einfach nur saugeil.Man fühlt sich richtig mitgenommen bei dem Song.

Ich werde nur mit BB&S nicht so richtig warm.Sonst alles sehr geil.

panteraxxl Offline

Inhuman Dunkelthron Miesepeter


Beiträge: 9.749

22.09.2008 10:09
#9 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

bis auf the day that never comes (eine absolut überflüssige klischeehafte und dazu noch billige halb-ballade.... erster teil is ne nette rockballade, zweiter teil ist einfach nicht album-reif....aber ich weiß ja, dass die meisten das hier komplett andersrum sehen) find ich alles songs inzwischen gut...

macspoiler1975 Offline

The Dumb

Beiträge: 29

22.09.2008 11:11
#10 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Also ich vermute mal das viele nur was gegen The Day That Never Comes haben weil es der erste offizell veröffentlichte Song war.Und man ihn sich schon so satt gehört hat weil es ne Zeit lang nur den gab.Das ist ein altbekanntes Phänomen.Wenn alle gleichzeitig erschienen wären würde kaum einer was gegen den Song sagen.Bin ich mir sehr sicher.
Ich finde den Song klasse weil er so schön an fahrt gewinnt.Und wenn du genau hinhörst merkst du das er nicht aus zwei teilen besteht sondern sich mehr und mehr steigert und der schnelle part ist für meinen geschmack sehr sehr geil.Ich mag ihn sehr.

Und wenn ich das Album gegen St.Anger vergleiche wird mir ganz anders.

St.Anger Note: 4+
Death Magnetic Note: 1-

panteraxxl Offline

Inhuman Dunkelthron Miesepeter


Beiträge: 9.749

22.09.2008 11:45
#11 RE: Death Magnetic Kritiken antworten
bei mir passt die theorie nicht^^

und doch: er besteht aus 2 oder sogar mehr teilen....
nur weil die ramp vom 1. in den 2. ein aufbau und kein harter cut ist, so geht es nicht an der realität vorbei.

ich mochte den schnellen part am anfang so lala.. aber nur so in etwa wie den "new song nr.1" nachdem ich den rest des albums GUT kenne, hat sich das nur noch verstärkt.
S.O.D Offline

ME†AL MESSIAH


Beiträge: 6.630

22.09.2008 11:45
#12 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Ich finde The Day That Never Comes geil - ist für mich so n richtiger Enter Sandman Song - was aber die Gefahr het, dass er schnell ausgelutscht ist. Deswegen hab ihn den Song am Anfang auch nicht ganz so oft gehört. Als ich das komplette Album die ersten mal gehört habe, mußte ich den Song auch oft weiter drücken, mittlerweile aber freu ich mich immer wenn der Song kommt.


Bye
S•O•D

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Pzyco Offline

Newkid

Beiträge: 2

29.09.2008 15:51
#13 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

Ich liebe diese Album. Es hat genau den Flair der mich damals zum Metallica-Fan gemacht hat.... Hab richtig Gänsehaut bekommen als ich das erst mal reingehört habe..... METALLICA 4ever

Lunachick Offline

Helpless Member


Beiträge: 111

29.09.2008 15:55
#14 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

"haben mit dem Eigensinn der Hände seit je intimen Umgang"

ist mein humor jetzt so pubertär dass ich daraus absolut GAR nichts mit musik verbinde?

Mitleid bekommt man geschenkt
Neid muss man sich verdienen

HeTill Offline

Admin, Inc.

Beiträge: 7.699

29.09.2008 16:02
#15 RE: Death Magnetic Kritiken antworten

An die Leute, die RockHard oder den Hammer haben: Wie hat das Album dort abgeschnitten?



Magic People! Voodoo People!

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